Im Scheinwerferlicht
Der "Kaviar-König" von St. Moritz
Sternekoch Reto Matis verwöhnt Gäste im Schmelmerhof
Der absolute Wahnsinn: Im Seilbahn-Restaurant auf der Bergstation Corviglia im Nobel-Skiort St. Moritz, das sich im Ambiente kaum von anderen "Panoramalokalen" unterscheidet, warten die Reichen und die Schönen dieser Welt geduldig auf einen Sitzplatz. Während Fiat-Boss Agnelli gerne im Overall mit schweren Skistiefeln durch die Flügeltüre stapft, nahen Stars und Sternchen schon zum Lunch in Pelz und grosser Robe per Zahnradbahn. Mick Flick und Roger Moor, Gloria von Thurn und Taxis und Caroline von Monaco, Sean Connery, Claudia Schiffer, Soraya und der Scheich von Abu Dabi, betuchte Niederbayern, prominente Münchner und auch ganz normale Skihaserln, die sich zwischen Piste und Après auf erlesene Weise den Gaumen kitzeln lassen wollen, waren schon da.
Trotz Promis und Schicki-Micki: "Mathis Food Affairs" ist keine modische Eintagsfliege. Bereits der Vater des seit 1992 auf 2768 Metern über dem Meer gelegene höchste Gourmet-Restaurant der Welt mit gleichbleibendem Erfolg, der auf solide Kochkunst, fusst. Sohn Reto Mathis (43) führte die Tradition mit Engagement und neuen Ideen fort. Der gebürtige St. Moritzer, Harley-Davidson-Fan und Weinkenner, beherrscht die deftige regionale Küche ebenso perfekt, wie die feine internationale. Das Rüstzeug holte er sich auf einer langen Wanderschaft vom Schweizerhof und dem Palace Hotel in St. Moritz über das Intercontinental in Genf bis zum Dorchester in London, dem Nonplusultra aller Gourmets.
Dass der "Kaviarkönig von St. Moritz", wie Reto Mathis gerne genannt wird, weil er seinen Gästen nur feinste iranische Störeier vorsetzt, am Freitag und am Samstag im Romantikhotel Gut Schmelmerhof im Sankt Englmarer Ortsteil Rettenbach auftischt, hängt mit dem Einstieg des Hauses in die Romantik-Hotelkette zusammen. Juniorchef Markus Schmelmer, der seine Lahrjahre unter anderem bei Roland Jöri in St. Moritz verbrachte, nutzte seinen Sommerurlaub 1999 zu einer Tour durch gleichqualifizierte Häuser, lernte Matre Grabner von der "Stuvetta Veglia" kennen und wurde prompt zum Gourmetfestival der ersten Moritzer Küchenchef-Garde eingeladen.
Reto Mathis liess sich nicht lange bitten, zumal die Saison in St. Moritz ja erst Mitte Dezember beginnt. Bereits an diesem Mittwoch trifft der Herr der edlen Bergküche mit zwei Köchen in Rettenbach ein. Das Ergebnis zweitägiger Vorbereitungen ist dann erstmals am Freitagabend zu testen (einige Plätze sind noch frei). Auf dem Engadiner Buffet stehen neben Klassikern, wie gebratenem Alpenlamm und Exoten, wie grünem Thaicurry vom Rehbock, deftige schweizer Hausmannskost, Pizzocheri (Buchweizennudeln mit Kartoffeln und Speck), Polenta Tarrania und währschafte Gerstensuppe mit Beinwurst und Pilzrisotto, um nur einige originelle Beispiele zu nennen.
Das Galamenue am Samstag beginnt mit Mathis absoluter Spitzenkreation, der Gänseleber mit schwarzen Nüssen. Markus Schmelmer durfte sie bereits beim Gourmetfestival testen. "Danach waren wir satt, so üppig ist die", erinnert er sich. Bleibt nur zu hoffen, dass die Portion zierlich bemessen ist, denn es folgen sechs weitere Gänge, darunter Zanderfilet und Hirschkalbskarree, ersteres an Bisilikumcoulis, letzteres auf Thymiancouscous.
Um das Event gebührend zu würdigen, eilt Ulrich Metzner, Chefredakteur der Zeitschrift "Savoir Vivre", in den bislang (zu Unrecht) als kulinarische Diaspora geltenden Bayerwald. Es ist durchgesickert, dass er der Familie Schmelmer den (Ess-)Kulturpreis 2000 verleihen wird.
Rosi Thoma